Herbert Schilling (1928-2015)

Herbert Schilling

16.9.1928 – 21.10.2015

 

Ein Nachruf von Gottfried Jung

 

Meines Wissens spielte Herbert Schilling  in der 1.Mannschaft in den  Anfangsjahren des Vereins. Er musste also schon vor 2002 Mitglied gewesen sein. Ich vermute, dass es ihm ähnlich erging wie mir: Obwohl wir beide über viele Jahre brav unsere Mitgliedsbeiträge entrichteten, wurden wir offiziell nicht geführt. Wie dem auch sei, wir haben uns erst im Rentenalter kennen gelernt.

 

Wir spielten dann über viele Jahre jeden Mittwochnachmittag bei mir zu Hause Schach – mit Uhr und Notation, und zeitweise auch gemeinsam in einer Mannschaft.

 

Herbert Schilling war Pächter eines Jagdreviers im Rothaargebirge und besaß dort auch ein Jagdhäuschen. Wir waren oft dort. Bevor wir überhaupt dort ankamen war unser erster Weg zur Metzgerei. Dort kauften wir Würste, Schinken und Mett, beim Bäcker 50 Laugenbrötchen und im Getränkehandel ein bisschen Bier und Rotwein ein, und zwar für 3 Tage. Dies gab es dann zum Frühstück, Mittagessen und als Abendbrot. Man muss wissen, dass Frau Schilling vegan kochte und Herbert Schilling als Gastgeber (sog. Geschäftsessen) jeden Gourmettempel im weiten Umkreis kannte und daher die etwas rustikale Art der Ernährung besonders genoss.

 

Tagesablauf: Ab 9:00 Uhr Schach; um die Mittagszeit Kontrolle der Kirrungen (=Lock-Futterstelle für Wildschweine) in einem 25 Jahre alten Jeep – im Winter – im tiefsten Wald - abschüssiges Gelände – vereist – mit einem fast 80jährigen am Steuer ...; ab Mitternacht zu zweit auf einem Hochsitz hoch oben auf einem großen Baum, ich bibbernd vor Kälte, Herbert Schilling behaglich schnurrend in seiner Luxus-Winter-Jagdausrüstung. Es war einfach schön.

 

Irgendwann musste er sich dann um seine kranke Frau kümmern, und die Jagdausflüge endeten. Dann erwischte es auch ihn und die Mittwochnachmittage fielen aus. Als ich ihn nach einem Jahr in seinem sehr großen Haus aufsuchte - er lebte dort inzwischen alleine – erkannte er mich nicht wieder. Aber seine Augen leuchteten, als ich ihm vorschlug eine Partie Schach zu spielen. Ich besuchte ihn dann sporadisch  und wir spielten Schach. Irgendwann wurde die Tür aber nicht mehr geöffnet. Das große Haus war unbewohnt.

 

Herbert Schilling war beruflich lange Jahr – bis 1993 – als Geschäftsführer  für die Unternehmensführung des Brühler Eisenwerkes  verantwortlich.

 

Er erzählte mir, dass er in den 1940er Jahren – auf Reichsebene – an einem Schüler-Wettbewerb teilgenommen und als Bester abgeschnitten habe. Aufgrund dessen  konnte er dann in Wien ein Ingenieur-Studium besuchen. Gegen Ende des Krieges sollte er sein Studium unterbrechen und Soldat werden. Er missachtete den Einberufungsbefehl und schlug sich als 16 oder 17jähriger auf Umwegen nach Hause und beendete nach dem Krieg sein Ingenieurstudium.

Gottfried Jung

 

Zitat aus Jochen Haupt's Vereinschronik:

Der Aufstieg in die Bezirksklasse, 1977 in die Bezirksliga, 1978 in die Verbandsliga Mittelrhein waren das Ergebnis. … Die Stadt Erftstadt würdigte diesen Erfolg durch die Verleihung des Titels „Mannschaft des Jahres“, eine Ehrung, die bis vor einigen Jahren regelmäßig verdienten Sportlern zu Teil wurde, nun aber dem Rotstift zum Opfer gefallen ist. Zu dieser Mannschaft gehörten die Spieler Armin Gutsche, Jochen Haupt, Rolf Michels, Helmut Nerstheimer, Franz Georg Rips, Herbert Schilling, Helmut Schlich, Alfons Schönenborn, Helmut Thomas.

 

Was den meisten wohl nicht bekannt ist: Herbert Schilling hat unseren Verein diskret durch sehr großzügige Spenden unterstützt, in seiner Bescheidenheit machte er davon kein Aufhebens.

W.R.